lesen

Literaturtipps

Joe Dispenza: Evolve Your Brain: The Science of Changing Your Mind

Joe Dispenza, D.C.

Wie funktioniert unser Gehirn? Was genau geschieht eigentlich in unserem Körper und unserem Geist, wenn wir lernen, neue Erfahrungen machen, uns erinnern, Gefühle erleben oder in täglichen Routinekreisläufen gefangen sind?

Joe Dispenza, bekannt als Interviewpartner in „Bleep!“, legt in „Evolve Your Brain: The Science of Changing Your Mind“ auf aktuellem Forschungsstand (2007) dar, was jeweils auf neuronaler, chemischer, hormoneller, auf makro- wie mikrobiologischer Ebene passiert. Er zeigt auf, wie unsere Gedanken unseren Körper verändern - und wie unser Körper umgekehrt Einfluss auf unsere Gedanken nimmt! Die häufige Wiederholung gleicher Verhaltens- und Denkmuster verändert buchstäblich unser körperchemisches Gleichgewicht und unsere Zellstrukturen.

Stark vereinfacht, läuft das etwa so ab: Oft wiederholte Gedanken → Gedanken erzeugen Gefühle (z.B. Angst) → Aktivierung diverser Drüsensysteme → Ausschüttung den Gefühlen entsprechender chemischer Substanzen → Ausbildung entsprechender Rezeptoren an den Zellen → „Erwartungshaltung“ der Zellen auf ein bestimmtes Konzentrationsniveau der chemischen Substanzen. Sinkt das Niveau der chemischen Substanzen, schreien die Zellen mit ihren jetzt nicht mehr ausgelasteten Rezeptoren nach mehr. Das ist Sucht! Und jetzt kommt's: Es gibt eine Rückkopplung von den Zellen ins Gehirn → Gehirn aktiviert Erinnerungen oder geläufige Denkmuster → Erinnerungen / Denkmuster erzeugen Gefühle → Gefühle aktivieren Drüsen etc. Ein sich selbst erhaltender rückgekoppelter Kreislauf.

Deshalb fällt es uns oft so schwer, unser Verhalten zu ändern. Wir sind buchstäblich süchtig nach unseren gewohnten Denk- und Verhaltensmustern. Es reicht nicht, nur die Gedanken zu ändern (gute Vorsätze zu fassen), wir müssen auch den Entzug durchstehen, in den uns unsere Körperzellen versetzen.

Aber die gute Nachricht ist: Wir können dieselben Wirkungsmechanismen bewusst nutzen, um uns positiv und dauerhaft zu verändern, zu heilen und uns weiterzuentwickeln. Was mit negativen Gedanken und Gefühlen (Sorgen, Angst) funktioniert, funktioniert auch mit positiven (Freude, Mitgefühl, Glück).

Joe zeigt uns, wie wir es konkret angehen können, positive Gedanken so in uns zu etablieren, dass sie zur bis auf Zellebene verankerten Gewohnheit werden - und damit dauerhaft unsere Lebensrealität verändern.

Amit Goswami: The Quantum Doctor

Amit Goswami, Ph.D.

Der Quantenphysiker Amit Goswami, bekannt als Interviewpartner in „Bleep!“, zeigte bereits 1995 in „The Self-Aware Universe“ auf, wie Bewusstsein Realität erschafft.

In „The Quantum Doctor: A Physicist's Guide to Health and Healing“ (2004) entwickelt Goswami ein mehrschichtiges Modell unserer Existenz, das die Wirkungsweise von schulmedizinischen und alternativen Heilverfahren auf eine gemeinsame fundamental-theoretische Basis stellt.

Ausführlich legt er dar, wie Allopathie, Homöopathie, Ayurvedische Medizin, TCM und Mind-Body-Medizin aus quantenphysikalischer Sicht „funktionieren“ und schafft damit eine wissenschaftlich legitimierte Basis für einen längst überfälligen Paradigmenwechsel, nicht nur in der Medizin.

Hochspannende und sehr anregende Lektüre.

Clemes Kuby: Heilung - das Wunder in uns

Clemens Kuby

Der Grünen-Gründer und Dokumentarfilmer Clemens Kuby („Living Buddha“) heilte sich selbst von einer unfallbedingten Querschnittslähmung.

Ein medizinisches Wunder? Wie funktionierte diese Selbstheilung? 20 Jahre lang ging Kuby dieser Frage nach, dokumentierte das Wirken von Heilerinnen und Heilern in allen Kulturkreisen („Unterwegs in die nächste Dimension“) und gelangte zu dem Schluss: Wir alle können unsere Selbstheilungskräfte aktivieren, wenn wir akzeptieren, dass wir primär geistige Wesen sind und die Kraft unserer Gedanken unsere Physiologie maßgeblich beeinflusst. Das deckt sich mit aktuellen Erkenntnissen der Quantenphysik („Bleep!“) und ist enorm spannend.

In „Heilung - das Wunder in uns“ fasst Kuby seine Erkenntnisse zusammen, bietet einen neuen Blick auf das, was Krankheit eigentlich ist und entwickelt eine Methode, mit der Selbstheilung erfahrbar werden kann.

Richard Powers

Richard Powers

In seinen komplexen Romanen verbindet der amerikanische Autor Richard Powers auf schwerelose Weise so scheinbar unterschiedliche Themen wie Musik, Quantenphysik, amerikanische Geschichte („Der Klang der Zeit“ / „The Time of Our Singing“), Neurophysiologie („Das Echo der Erinnerung“ / „The Echo Maker“), KI-Forschung, virtuelle Realität, („Schattenflucht“ / „Plowing the Dark“) Genetik, Molekularbiologie („Gold Bug Variations“) und individuelle Schicksale zu vielschichtigen, intelligenten und berührenden Berichten über menschliche Grenzerfahrungen. Wer sagt da, Amerika hätte keine zeitgenössischen Autoren von Weltklasse? Powers ist auf dem besten Weg, sich einen Platz unter den ewigen Top 5 meiner Lieblingsautoren zu sichern.

Stanislaw Lem

Stanislaw Lem

Der polnische Schriftsteller Stanislaw Lem war der herausragendste SF-Autor des ehemaligen Ostblocks und einer der kreativsten Geister weltweit. Eine solide wissenschaftliche Bildung und die lebenslange Beschäftigung mit Psychologie, Mathematik und Kybernetik bildeten den äußerst nährstoffreichen Boden, auf dem seine Literatur gedieh.

Lems SF-Romane und Geschichten sind immer so etwas wie philosophische Experimente. Viele seiner seit den späten 1950er Jahren geschriebenen Bücher haben geradezu prophetische Züge.

Lem „spielt“ beim Schreiben philosophische Gedankenspiele, verpackt in oft bizarre, aber immer realistisch fundierte Situationen. Deren logische Folgerungen führt er konsequent bis ins Extreme, was manchmal sehr nachdenklich macht und oft ungemein komisch ist. Dabei spielen die Grundthemen Erkenntnisfähigkeit, Erkennbarkeit, technologische Macht und kulturelle Reife eine immer wiederkehrende Rolle.

Lem ist, was die Erkennbarkeit der Welt und die Erkenntnisfähigkeit des Menschen betrifft, dabei eher pessimistisch. Genau das bildet einen wohltuenden Kontrast zum Raumschiff-Enterprise-Einheitsbrei, in dem es grundsätzlich keine Schwierigkeiten zu geben scheint, nicht-menschliche Intelligenz a) zu erkennen, b) mit ihr zu kommunizieren und c) Nutzen daraus zu ziehen. Das könnte nicht ganz so einfach sein.

Stanislaw Lem - Sterntagebücher

Sterntagebücher

(Originaltitel: Dzienniki Gwiazdowe)

Diese bereits 1957(!) erstmals auf polnisch erschienenen Erzählungen schildern Erlebnisse des leicht vertrottelten Raumfahrers Ijon Tichy. Durch alle Texte blitzt indes Lems Schalk, etwa, wenn er von einem Missionar berichtet, der auf einem fernen Planeten den dort lebenden äußerst friedfertigen Geschöpfen das Evangelium predigt, und nicht müde wird zu betonen, dass das Höchste für einen Christen der Einzug ins Himmelreich als Märtyrer sei. Schweren Herzens, doch da man für das Seelenheil seines Nächsten alles tun soll, erfüllen ihm die Planetenbewohner diesen Wunsch...

Einer der genialsten Texte zum Thema Zeitreisen ist die „Siebente Reise“ betitelte Geschichte, die ich Ihnen wärmstens ans Herz legen möchte. Durch einen Meteoreinschlag steuerungsunfähig, trudelt Tichys Rakete durch „die geheimnisvollen Gravitationsstrudel [...], deren Existenz durch sechs astrophysikalische Theorien erklärt wird, und von jeder anders.“ Tichy kann den Schaden an seiner Steuerung außenbords nicht allein beheben, weil „jemand mit dem Schlüssel den Schraubenkopf festhalten musste, während ein anderer die Schraubenmutter anzog“. Beim Durchflug durch die Strudel treten relativistische Effekte auf, die Tichy sich mit sich selbst begegnen lassen, jeweils als von verschiedenen Tagen stammend. Glück im Unglück - jetzt könnte man ja zu zweit die Steuerung reparieren. Doch die Zusammenarbeit gestaltet sich unerwartet schwierig:

Als ich auf dem Fußboden inmitten von Porzellansplittern zu mir kam, bemerkte ich dicht vor mir die Beine eines über mir stehenden Menschen.

Steh auf, sagte er und hob mich an, hast du dir etwas getan?

Nein, erwiderte ich, während ich mich mit den Händen aufstützte, weil mir schwindlig war. Von welchem Wochentag bist du?

Vom Mittwoch, antwortete er. Gehen wir rasch die Steuerung ausbessern, schade um die Zeit!

Und wo ist der vom Montag? fragte ich.

Der ist nicht mehr, das heißt... der bist offenbar jetzt du.

Wieso ich?

Na, weil der vom Montag in der Nacht vom Montag zum Dienstag der vom Dienstag geworden ist, und so weiter.

Verstehe ich nicht!

Macht nichts, du bist es nur nicht gewohnt. Aber komm, schade um die Zeit!

Gleich, erwiderte ich, ohne mich vom Fußboden zu erheben. Heute ist Dienstag. Wenn du vom Mittwoch bist und bis zu diesem Augenblick die Steuerung nicht repariert ist, so geht daraus hervor, daß uns etwas daran hindern wird, sie auszubessern, denn sonst würdest du mich am Mittwoch nicht dazu bewegen wollen, daß ich sie am Dienstag mit dir gemeinsam repariere. Vielleicht ist es also besser, wenn wir erst gar nicht hinausgehen.

Mit stringenter Logik werden diese aberwitzigen Begegnungen geschildert, wobei die Unfähigkeit der einander begegnenden Tichys, sich über den Reperaturverlauf zu einigen, die Situation immer weiter eskalieren lässt. Brilliante Situationskomik - auf der Basis der Relativitätstheorie.

Stanislaw Lem - Die Stimme des Herrn

Die Stimme des Herrn

(Originaltitel: Glos pana)

Wenn ich überhaupt etwas über geistige Höhepunkte aussagen kann, dann nur so viel, dass die Klarheit des Denkens ein lichter Punkt auf einem Gelände unerschöpflicher Finsternis ist. Genie ist nicht nur einfach Licht, sondern vor allen Dingen beständiges Wahrnehmen des uns umgebenden Dunkels, aber seine normale Feigheit besteht darin, sich im eigenen Glanze zu sonnen und, solange dies möglich ist, nicht über dessen Grenzen hinauszuschauen.

In diesem 1968 veröffentlichten Roman schildert das Mathematik-Genie Peter Hogarth seine Mitarbeit am amerikanischen Geheimprojekt „Master's Voice“.

Durch eine äußerst unwahrscheinliche Kette von Zufällen werden Regelmäßigkeiten in Langzeit-Aufzeichnungen kosmischer Neutrino-Strahlung entdeckt. Unter strengster Geheimhaltung wird ein hochkarätiges Team von Wissenschaftlern versammelt, die dieses Phänomen untersuchen und den „Sternenbrief“ entschlüsseln sollen. Nach anfänglichen Teilerfolgen gerät das Projekt jedoch ins Stocken. Es gelingt nicht, mehr als einen winzigen Teil des Signals sinnvoll zu deuten. Klar scheint jedenfalls, dass die Strahlung einen die Entstehung biologischen Lebens begünstigenden Effekt hat.

Unter den Wissenschaftlern bilden sich Fraktionen, die ganz unterschiedliche Theorien über die Natur und den Zweck des Signals entwickeln. Aber nicht einmal über die Frage, ob das Signal bewusst erzeugt wurde oder ein natürliches Phänomen darstellt, herrscht Einigkeit.

Mit Hilfe entschlüsselter Teile des Signals kann immerhin eine biologisch aktive Substanz erzeugt werden, die ihre Lebensenergie aus atomaren Vorgängen gewinnt. Ein dabei beobachteter Energietransfer-Effekt könnte die Militärs in die Lage versetzen, die bei einer Atomexplosion frei werdende Energie ohne Vorwarnzeit an beliebig entferntem Ort wirksam werden zu lassen. Das Ende der Zivilisation scheint in Sicht.

Seriös und hochanspruchsvoll befasst sich Lem in diesem eher philosophischen als Science-Fiction-Roman nicht nur mit grundlegenden Problemen kosmischer Kommunikation, sondern setzt sich mit unserer kulturgeschichtlichen und geisteswissenschaftlichen Entwicklung und der menschlichen Erkenntnisfähigkeit auseinander. Das Problem der Verantwortung von Wissenschaftlern hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

„Allein, der Nutzen hat vielerlei Gestalt. Die Ameisen, die auf ihrer Wanderschaft an einen toten Philosophen geraten, ziehen daraus auch ihren Gewinn.“

Stanislaw Lem - Fiasko

Fiasko

(Originaltitel: Fiasko)

Auch dieser Roman von 1986 widmet sich dem Problem des kosmischen Kontakts. Lem meint, dass es nur ein schmales Zeitfenster gibt, in dem Kontakt zwischen einander ähnlichen Zivilisationen möglich und sinnvoll ist.

Im Gegensatz zu „Stimme des Herrn“ lässt er diesmal die technologisch weit fortgeschrittene Menschheit aktiv werden: Es wird eine Expedition zum Planeten Quinta gestartet, auf dem man Anzeichen für eine Zivilisation, die sich noch im richtigen Zeitfenster befindet, gefunden hat. (Das Buch beginnt allerdings mit einer einleitenden Story völlig anderen Themas, die meines Erachtens nach nichts zum weiteren Handlungsverlauf beiträgt.) Die Expedition agiert zunächst vorsichtig, versteckt das Mutterschiff in einiger Entfernung im Gravitationsschatten eines schwarzen Lochs und begibt sich mit einem Erkundungsschiff in das fremde Sonnensystem.

Dort finden die Menschen ein komplexes System aus künstlichen, in verschiedenen Sphären angeordneten Satelliten vor. Es stellt sich schnell heraus, das diese Satelliten militärischen Zwecken dienen und sich in einem Zustand labilen Gleichgewichts gegenseitig belauern. Auf dem Planeten existieren offensichtlich ähnlich antagonistische Machtblöcke wie auf der Erde im 20. Jahrhundert.

Erste Kontaktversuche zu den Planetenbewohnern schlagen fehl, es erfolgt einfach keine Reaktion. Wie sollen sich die Menschen nun verhalten? Sollen sie unverrichteter Dinge wieder umkehren und heimfliegen? Eine neue Expedition zu späterem Zeitpunkt würde mit großer Wahrscheinlichkeit diese Zivilisation nicht mehr antreffen, entweder weil sie sich selbst vernichtet hat, oder weil sie in ihrer Entwicklung aus dem Zeitfenster möglichen Kontakts hinaus gelangt ist. Es gibt allem Anschein nach nur diese eine Chance, Kontakt herzustellen. Muss man diese Zivilisation nicht vor sich selbst retten? Darf man den Kontakt notfalls erzwingen?

Nach einem Angriffsversuch durch die Planetenbewohner - vielleicht war es aber auch nur ein versehentlich ausgelöster Automatismus? - nimmt das Drama seinen Lauf. Die Expedition entschließt sich zu einer Demonstration der Stärke - als wenn die bloße Tatsache ihrer Anwesenheit nicht eindrucksvoll genug wäre. Die Situation eskaliert. Nach einer gigantischen Katastrophe findet ein Kontakt letztlich statt, aber er bleibt eine inhaltsleere Formalität, einem besiegten Gegner abgezwungen, und führt sich damit selbst ad absurdum. Die Expedition endet mit einem Fiasko.

Ähnlich wie bei Mary Doria Russel (s.u.) werden im Handlungsverlauf Entscheidungen getroffen, die jede für sich vernünftig oder zumindest nachvollziehbar sind, und die in der Summe geradewegs in die Katastrophe führen.

Mary Doria Russell

Mary Doria Russell

In Mary Doria Russels Romanen begegnen wir überzeugenden, vielfältig ausgeleuchteten Personen, die einem so nah und vertraut werden, dass man das Ende eines Buches wie einen Verlust, wie einen schweren Abschied empfindet. Hochdramatisch sind die Ereignisse, existenziell die menschlichen und spirituellen Herausforderungen, auf hohem intellektuellen und moralischen Niveau mit Humor und Anteilnahme geschildert.

Mary Doria Russell - Sperling

Sperling

(Originaltitel: The Sparrow)

Werden nicht zwei Sperlinge für ein paar Pfennige verkauft? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater.
Matthäus 10, 29

Im Jahr 2019 werden die ersten Funksignale zweifelsfrei nicht-irdischen Ursprungs empfangen - es ist Musik, Gesang von großer fremdartiger Schönheit. Und es kommt aus der Nachbarschaft: Alpha Centauri, gerade mal vier Lichtjahre entfernt. Während die UNO noch des Langen und Breiten darüber debattiert, ob Mittel für einen direkten Kontaktversuch ausgegeben werden sollen, agiert die Gesellschaft Jesu in aller Stille schnell und effizient. Eine Expedition, bestehend aus vier Jesuitenpatern, einem Astronom, einer Ärztin, einem Ingenieur und einer KI-Expertin wird auf den 17 Jahre (Erdzeit) bzw. 7 Monate (Bordzeit) dauernden Weg gebracht.

Pater Emilio Sandoz wird vierzig Jahre später als einziger zur Erde zurückkehren, sein Körper verstümmelt, seine Seele verwüstet, sein Glaube vernichtet.

Die jesuitischen Wissenschaftler zogen aus, um zu lernen, nicht um zu missionieren. Sie zogen aus, um Gottes andere Kinder kennen- und liebenzulernen. Sie gingen aus denselben Gründen, aus denen die Jesuiten stets bis zu den letzten Grenzen menschlicher Forschung gegangen waren. Sie gingen ad majorem Dei gloriam: zum größeren Ruhm Gottes.
Sie wollten niemandem schaden.

„Die Mission [...] ist vermutlich auf Grund einer Reihe logischer, vernünftiger, sorgfältig erwogener Entscheidungen mißlungen, die jede für sich zu jedem Zeitpunkt wie eine gute Idee ausgesehen hatten. Wie die meisten gigantischen Katastrophen.

Mary Doria Russell - Gottes Kinder

Gottes Kinder

(Originaltitel: Children of God)

„Gottes Kinder“ ist die direkte Fortsetzung von „Sperling“.

Ex-Pater Emilio Sandoz fliegt ein zweites Mal nach Rakhat, dieses Mal unfreiwillig. Neue Informationen lassen die Ereignisse aus „Sperling“ plötzlich in vollkommen anderem Licht erscheinen.

Meisterhaft und mit noch größerer Intensität als in „Sperling“ wird hier das Grundthema der unvorhersehbaren Resultate in bester Absicht begangener Taten und getroffener Entscheidungen variiert.

Mit großer Präzision und Glaubwürdigkeit leitet Russell die Charaktere auf ihren sich vielfach kreuzenden Bahnen. Eindrucksvoll inszeniert sie die komplexe Ambivalenz von Motiven und Handlungen teils gegen- teils miteinander agierender Personen.

Choose your enemies wisely, for you will become them.

Iain M. Banks

Iain M. Banks

Iain M. Banks ist ein schottischer Autor von außergewöhnlichem Talent. Seine Vorstellungskraft überrennt mühelos alle gesteckten Grenzen, sein Stil ist exzellent, seine Plots sind genial. Banks' Science Fiction ist vom Raumschiff Enterprise ungefähr ebenso weit entfernt wie Bachs Fugen vom Musikantenstadl. Seine non-SF Romane sind nicht minder brilliant.

Im Handeln seiner Protagonisten, menschlichen wie nichtmenschlichen, treten mit subtiler Wärme geschildert und mit teuflischer Schläue arrangiert zutiefst menschliche Abgründe und Höhen hervor. Was für Abgründe! Was für Höhen! Hier begegnet uns Literatur auf sehr hohem Niveau. Dass sich ein Geist wie Banks auch und gerade im SF-Genre artikuliert, entspricht seiner kreativen Kraft. Space Opera vom Allerfeinsten, ein intellektueller und menschlich bewegender Genuss.

Um in Banks' SF-„Culture“-Zyklus einzusteigen, empfehle ich Ihnen folgende Auswahl und Reihenfolge:

Iain M. Banks - Bedenke Phlebas

Bedenke Phlebas

(Originaltitel: Consider Phlebas)

O you who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as you.

(T.S. Eliot, The Waste Land)

Im Krieg der „Culture“ gegen die Idiraner entkommt ein aussergewöhnliches Kultur-Schiffsgehirn einem idiranischen Angriff, indem es auf einen von den geheinmisvollen Dra'Azon bewachten verbotenen Planeten der Toten flieht. Es tut dies auf eine physikalisch derart grenzwertige Weise (die eine Beherrschung des Raum-Zeit-Gefüges in einem Grad voraussetzt, den weder die Kultur noch die Idiraner bislang erreicht haben), dass es die Aufmerksamkeit der Geheimdienste beider Konfliktparteien auf sich zieht.

Bora Horza Gobuchul, ein Gestaltwandler in Diensten der Idiraner, und seine Gegenspielerin, die Kultur-Agentin Perosteck Balveda, versuchen beide, es aufzuspüren.

Opulente Story mit genial angelegtem Spannungsbogen und furiosem Finale!

Iain M. Banks - Das Spiel Azad

Das Spiel Azad

(Originaltitel: The Player of Games)

Die Kontakt-Sektion der Kultur entdeckt ein Planetenimperium, dessen anachronistisch rückständige und gewalttätige Entwicklungsstufe durch ein zeremonielles Spiel aufrechterhalten wird; ein Spiel, so anspruchsvoll, komplex und lebensnah, dass der Gewinner zum Herrscher ernannt wird.

Jernau Gurgeh ist einer der berühmtesten Meister-Spieler der Kultur und wird mehr oder weniger eingeladen, als Gast an diesem Spiel teilzunehmen. Oder ist diese Einladung nur eine äußerst geschickte Inszenierung der Sektion „Besondere Umstände“, wie der Geheimdienst der Kultur euphemistisch genannt wird? Er willigt ein und spielt das Spiel seines Lebens - vielleicht um sein Leben... Ist er selbst nur eine Spielfigur in einem viel umfassenderen Spiel?

Vielschichtig und äußerst spannend, nach „Bedenke Phlebas“ jedoch mit eher ruhigem Grundton.

Iain M. Banks - Das Spiel Azad

Einsatz der Waffen

(Originaltitel: Use of Weapons)

Auf eine Art ein unheimlicher, verstörender und doch unendlich faszinierender Roman.

Cheradenine Zakalwe ist ein ausgestiegenes militärisches Genie. Als Agent für die Sektion „Besondere Umstände“ der Kultur führte er delikate und schwierige Operationen aus, vorzugsweise in unterentwickelten Zivilisationen, deren Entwicklung hier und da ein wenig, nun, beschleunigt werden sollte.

Er erklärt sich bereit, noch einmal eine Mission zu übernehmen - zu einer Bedingung, die seltsam und seinem Risiko unangemessen anmutet. Während wir den Verlauf der Mission verfolgen, werden wir nach und nach immer tiefer mit Zakalwes Persönlichkeit und Geschichte vertraut gemacht. Der Schluss trifft uns trotz aller Vorsicht unvorbereitet und lässt uns zutiefst schaudernd zurück...

Iain M. Banks - Exzession

Exzession

(Originaltitel: Excession)
früher auf deutsch erschienen unter dem Titel
Die Spur der toten Sonne

In die barbarischen Gewohnheiten und brutalen Neigungen der Affronter wird sich die Kultur selbstredend nicht offiziell einmischen. Die Affronter hingegen würden sich, wären sie dazu in der Lage, nur zu gern in die Angelegenheiten der Kultur einmischen.

In einer entfernten Ecke der Galaxis taucht ein Artefakt auf, dessen bloße Existenz auf eine technologische Reife schließen lässt, die für die Kultur-Gehirne ein „außerkontextuelles Problem“ darstellt. Für die Affronter, aber auch für einige Kultur-Gehirne eröffnen sich plötzlich ungeahnte Möglichkeiten...

Ein anspruchsvoller Kultur-Roman hohen Reifegrades.

Banks' non-SF Romane zeigen vielleicht noch deutlicher eine Essenz, die ich persönlich ganz besonders schätze: Banks liebt seine Figuren, auf eine tiefe und umfassende und manchmal schmerzliche Weise, und er ist bei aller Würze aus Sex, Drogen und Gewalt grundlegend moralisch integer. Das macht ihn so zutiefst sympathisch.

Iain Banks - Verschworen

Verschworen

(Originaltitel: Complicity)

In „Verschworen“ begegnen wir einem Serienkiller, dessen Morde schauderhaft, doch auf perfide Art politisch korrekt sind. Allmählich fragt man sich verblüfft, auf wessen Seite man eigentlich steht...

Ein verzwickter, meisterhaft inszenierter und moralisch höchst interessanter Thriller.

(Banks: „In a sense, Complicity was letting off steam, a way of getting out all the anger and bitterness I felt about the 80s and the Thatcher years.“)

Zu diesem Buch gibt es einen Reader's Guide von Cairns Craig: Iain Banks's Complicity (Continuum Contemporaries).

Iain Banks - Straße der Krähen

Straße der Krähen

(Originaltitel: The Crow Road)

Anfang der 1990er, Prentice McHoan, 21.

(„Prentice, wovon lebst du?“ „Ich komme zurecht.“ (log ich.) „Mit meinem Stipendium.“ (Noch eine Lüge.) „Und meinem Studiendarlehen.“ (Wieder eine.) „Und ich arbeite hin und wieder in einer Bar.“ (Vier hintereinander!))

Ein schottischer Familienclan.

(Großmutter Margot stieß einen tiefen Seufzer aus und schüttelte den Kopf. ... „Auf dieser Rückbank hatte ich das letzte Mal Sex“, sagte sie wehmütig. Sie warf mir einen Blick zu. „Guck nicht so entsetzt, Prentice.“)

Ein verschwundener Onkel Rory.

(Janice Rae war der letzte Mensch, der Onkel Rory gesehen hatte, an einem Abend in Glasgow. ... Ihre Wohnung war in der Crow Road, nicht sehr weit weg, in der Nähe von Jordanhill. Als sie mich in einen Flur voll alter Filmpakete schob, fragte ich sie, ob sie jemals davon gehört habe, wie Großmutter Margot davon gesprochen hatte, jemand sei „die Crow Road runter“? Es hieß sterben, tot sein.)

Großartige, mit herrlichem Humor und bewegendem Tiefgang geschriebene Familiensaga um Liebe, Freundschaft, Täuschung, Verrat und Mord. Jede einzelne Seite ein Genuss.

Iain Banks - Die Auserwählte

Die Auserwählte

(Originaltitel: Whit)

Isis Whit ist 18 und eine Auserwählte Gottes. Abgeschlossen von der Welt lebt sie in einer religiösen Sekte. Als ihre Cousine Morag verschwindet, wird Sie nach London geschickt, um sie zu finden und heim zu holen. Auf dieser Mission geht ihr allmählich auf, dass weder die Welt der „Unerretteten“ noch die ihrer eigenen religiösen Gemeinschaft so ist, wie sie zu sein scheint.

(Banks: „In a sense it's easy to be blind to the sexism that's still around and somehow manage to ignore the other elements of society that still are unequitable in terms of gender or whatever, but it's only stupid or ignorant people who do that.“)

Iain Banks - Die Wespenfabrik

Die Wespenfabrik

(Originaltitel: The Wasp Factory)

Lesen Sie diesen Roman nur, wenn Sie sicher sind, dass Ihnen ein Buch nichts anhaben kann. Also besser nie. Aber wenn Sie meinen, es unbedingt tun zu müssen, dann vereinbaren Sie gleich mit Ihrem Therapeuten ein paar begleitende Sitzungen. Natürlich ist das Buch genial. Aber so krank, so krank...